Als Geschichtenerzählerin fasziniert es mich endlos wie Geschichten entstehen, sich verbreiten, verloren gehen und wiedergefunden werden. Heute möchte ich dir von „Al Halaka“ und dem Halaqa erzählen. 

 

2026 sehe ich in Malmö die Ausstellung „How to Call a Ghost“ der in Wien lebenden Künstlerin Bouchra Khalili. Das Kunstwerk, das mich magisch anzieht, ist natürlich „The Public Storyteller“ das eine Geschichte erzählt in Form eines Halaqa. Ich setze mich in den Kreis auf dem Boden vor dem Kunstwerk und werde Teil des Storyzirkels. 

 

Der Storyteller im Video erzählt eine Geschichte vom Land des Rechts, indem die Exilanten die unter menschenunwürdigen Bedingen arbeiten und ein Zyklop Präsident werden will. 

 

Das Land ist Frankreich 1974. Die Exilanten sind Arbeitende aus der Magreb Region. Der Zyklop ist ein Kandidat, der keiner sein dürfte (weil er nicht mal das Recht zu wählen hat), den die Allianz der arabische Arbeiter ins Präsidentenrennen schicken und der von der Presse zum Monster stilisiert wird. 

 

1974 bildete sich in Frankreich die Performance-Kunst-Gruppe „Al Halaka“. Über Theater macht sie auf Missstände bezüglich migrantischer Arbeitenden aus den Magreb Staaten in Frankreich aufmerksam. So schließt sich der (Geschichten)Kreis.

Al Halaka

Was ist ein Halaqa?

In Marokko gibt es „Al Halaqa“ bereits seit mehreren hundert Jahren, und diese Tradition umfasst die verschiedenen Bedeutungen des arabischen Wortes „halaqa“: Kreis, Ring und Versammlung. 

Die Künstlergruppe „Al Halaqa“ beschreibt die Tradition als das Erzählen einer Geschichte, in der der Zustand einer Gesellschaft klar beschrieben wird: Wer wird unterdrückt und wer unterdrückt. Manchmal auch als Satire oder Farce. 

„Die essenzielle Aufgabe des Storytellers ist in Al Halaqa Wissen an die zu vermitteln, die sich im Kreis um ihn eingefunden haben und auf die Situation aufmerksam zu machen.“ 

Smaïne – Al Halaka

Ein Halaqa hat also nach dieser Definition nicht nur die Aufgabe Wissen zu vermitteln, sondern auch dieses Wissen für die Zuhörenden einzuordnen. Denn Geschichten haben immer einen Standpunkt und sie erzählen immer eine Sichtweise auf die Welt, die wir Geschichtenerzähler*innen mitzählen wollen. 

 

The Political Storyteller


Halaqa Storyfunken finden

Unsere Aufgabe als Geschichtenerzähler*innen ist es auch da und gerade da zu erzählen, wo es unbequem ist. Hinzuschauen, wo Unrecht passiert. (Lernen ist übrigens auch nur dann effektiv, wenn es etwas unbequem wird ;))

Storytelling ist ein lebendes Archiv. Es verbinden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es verbindet uns gemeinsam als Teil des Kreises der Geschichten, die wir wahrnehmen und weitergeben. 

Lasst uns also gemeinsam auf die Suche nach einem Storyfunken gehen, der in der Tradition von Al Halaqa wäre:

  • Die Situation, die alle als normal bezeichnen — die aber bei genauerem Hinsehen alles andere als normal ist
  • Das Unrecht, das du beobachtet hast und das dich nicht mehr losgelassen hat
  • Der Widerspruch zwischen dem, was nach außen erzählt wird, und dem, was wirklich gelebt wird

Schreibe deine Idee auf. Überlege dir: Wer oder was ist unterdrückt, und wie lässt sich das auf poetische Art und Weise erzählen? Und wer unterdrückt und wie lässt sich das erzählen? 

Teile deine Halaqa Geschichte gerne mit deinem „Kreis“ auf Social Media unter dem Hashtag #storychallenge und #storyfunken