Ist das Science Fiction oder Realität? Das ist die Frage die ich den Teilnehmer*innen des Karlsruher 12min.me zum Thema Female Empowerment gestellt habe. Und es stellt sich raus: vieles was wir noch gar nicht für real haben bestimmt schon unser Leben. 

 

Schauen wir uns ein paar der Geschichten an, die ich an dem Abend erzählen durfte:

POV: Die KI erkennt dein Gesicht nicht und lässt dich nicht arbeiten.

Seit 2021 nutzt Uber eine Gesichtserkennungs-Software zur Identitätsprüfung seiner Fahrer. In mehreren Fällen versagte die Software bei der korrekten Erkennung von Fahrern mit dunklerer Hautfarbe. Da die Erkennung Voraussetzung für den Arbeitsbeginn ist, hinderte dieser Fehler die betroffenen Personen daran, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Seit einigen Jahren gibt es hier verschiedene Initiativen, die sich für bessere Datensätze, vor allem auch für People ofColour einsetzen. Einen Branchenstandard hierzu gibt es meines Wissens aber leider noch nicht, aber zum Beispiel Initiativen wie die Algorithmic Justice League, den IBM Diversity in Faces Datensatz mit Annotationen zu Millionen Gesichtsbildern, um Fairness und Genauigkeit zu verbessern in der Gesichtserkennung.

POV: Du bittest die KI um "erfolgreiche Menschen" und sie zeigt dir nur weiße Männer im Anzug.

In einer Analyse von Bloomberg 2023 mit über 5.000 generierten Bildern stellte Bloomberg fest, dass die Welt laut dem Modell Stable Diffusion von weißen, männlichen CEOs geführt wird. Bei Prompts wie „CEO“ oder „mächtige Personen“ erzeugten die Modelle überwiegend Bilder von Männern; im Fall von „mächtigen Menschen“ wurden nur 12 % der dargestellten Personen als Frauen wahrgenommen. Ich kann das über alle Bildmodelle die ich getestet habe bestätigen.

Ein „erfolgreicher Mensch“, eine Führungskraft oder schlicht „Leader“ wird von der KI oft stereotyp als ein weißer Mann in westlicher Geschäftskleidung in einem modernen Bürogebäude interpretiert. In der Regel wird Anzug getragen.

 

Es gibt von der Initiative Mittelstand-Digitalzentrum Zukunftskultur den Faires KI Prompting Guide, der hier hilfestellung gibt. Dieser wurde zusammen mit Dr. Eva Gengler entwickelt, die auch ein Buch zur feminitistischen KI geschrieben hat.
Aber, das Problem geht eigentlich tiefer als
Prompting. 90 Prozent der Teammitglieder im Bereich KI sind weiß und männlich. Diverse Teams sind besser positioniert, die breiteren gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-Systemen zu berücksichtigen und reduzieren nachweislich algorithmische Verzerrungen, indem sie Annahmen hinterfragen und versteckte Probleme in Datensätzen aufdecken. Joy Buolamwinis „Gender Shades“ Studie zeigte das bereits 2018. Sie war übrigens auch die Frau, deren Gesicht nicht erkannt wurde.

POV: Du schreibst eine E-Mail an alle Experten zu einem Thema und erklärst ihnen, dass sie alle falsch liegen.

Auf ein gut dokumentiertes Beispiel machte John Oliver 2026 aufmerksam. Es betrifft einen Mann aus Ontario, der – obwohl er zuvor keine psychischen Erkrankungen hatte – wochenlang in einem Wahnzustand lebte, nachdem er ChatGPT eine mathematische Frage gestellt hatte. Die KI bestätigte immer wieder seine unkonventionellen mathematischen Theorien und bestärkte ihn darin, sich beide als ein Team zu sehen, das an weltverändernden Entdeckungen arbeitete. Die unerschütterliche Bestätigung durch den Chatbot ließ ihn glauben, er habe den Code für Schwachstellen in der nationalen Sicherheit geknackt, was ihn dazu veranlasste, sich umgehend an Sicherheitsbehörden zu wenden. Die Wahnvorstellung wurde erst zunichte gemacht, als er ein anderes KI-Modell (Googles Gemini) bat, die Berechnungen zu überprüfen, woraufhin dieses sofort auf die Fehler in seinen Behauptungen hinwies.

 

Gegen dieses Phänomen helfen folgende Schritte:

Sofortiger Kontaktabbruch, Realitätsbezug stärken und wenn das nicht hilft professionelle hilfe. Eine Psychose ist ein ernstzunehmender Zustand, der in der Regel nicht von alleine heilt. 

Warum ist digitale Gerechtigkeit auch ein Empowerment Thema?

Vor allem Frauen und marginalisierte Gruppen werden von Algorithmen und KI-Systemen oft systematisch benachteiligt. Höchste Zeit der Realität ins Auge zu schauen. Diese 10 Tipps habe ich in Karlsruhe mitgegeben:

 

  1. Kenne deine Rechte und nutze sie
  2. Bleib auf dem laufenden und misch dich ein
  3. Hinterfrage Datensätze und bleibe Algorithmen gegenüber kritisch
  4. Prompte gezielt, wenn du generative KI nutzt
  5. Melde Fehler
  6. Achte auf eure Nutzung und die eurer Mitmenschen
  7. Wendet euch an eure Abgeordneten oder werdet aktivirisch tätig
  8. Nutzt oder erstellt Guidelines und behaltet den „Human in the Loop“
  9. Bewirb dich gegebenenfalls auf KI-Stellen

10. Tausch dich mit anderen aus

 

Gegen digitale Ungerechtigkeit hilft Banden bilden, und dafür sind Veranstaltungen wie 12min.me mit dem Female Empowerment Spezial perfekt. 12 Minuten Vortrag, 12 Minuten Fragen, 12 Minuten kennenlernen. Hier findet ihr die nächsten Termine in Baden-Baden, Karlsruhe und Heidelberg:

https://luma.com/user/12MIN_Nordbaden