Learning Experience Design ist noch ein Feld, dass sich entwickelt, während Experience Design langsam aber sicher in den letzten Jahren den Mainstream erreicht hat. Das Feld bezieht sich auf den Begriff „Experience Economy“ der bereits 1998 das erste Mal in einem Artikel von Joe Pine II und James H. Gilmore geprägt wurde. Sie beschrieben den damals zukünftigen Shift von Kund*innen weg von Produkt- und Service-Featuren hin zu Erlebnissen. Und sie behielten recht.

 

Bücher über den Experience-Markt und Experience Design gibt es aufgrund der großen Zeitspanne deshalb mehr als genug. Da mein Fokus auf Unternehmen, Bildung und Storytelling liegt, habe ich ein paar Bücher ausgesucht, die hier grundlegende Konzepte und Frameworks liefern.

Pigalle Tavakkoli, The Experience Design Building Blocks (2025)

Wer sich mit den Grundkonzepten und -Bausteinen des Experience Designs auch höchst übersichtliche und schön illustrierte Art und Weise auseinandersetzen will, ist bei diesem Buch goldrichtig. Pigalle Tavakkoli beschreibt wie sich die Denkweise im Design ändern muss, um eine gute Experience erschaffen zu können. Mit knapp 60 Seiten eignet es sich wunderbar für die Lektüre im Zug oder in der Mittagspause.

Was nehme ich aus diesem Buch mit?

Dieses Buch zeigt wunderbar auf wie viel mehr zu Experience Design gehört als die eigentlichen Erlebnisse. Man muss Menschen erst einmal in den Zustand versetzen dass sie sich darauf einlassen können und man darf am Ende auch nicht vergessen ihnen dabei zu helfen das gelernte in ihre Lebenswelten zu integrieren. Sonst verpufft jede noch so gut designte Experience am Ende wieder.

 

Charles Melcher, The Future of Storytelling (2025)

Dieses Buch ist mit über 300 Seiten sehr „gehaltvoll“. Der Gründer des Future of Storytelling Institut beschreibt hier wie sich die Erwartung des Publikums von „Audience“ (zuschauen) zu „Actience“ (mitspielen) verschiebt und welche sechs Design-Felder (agentisch, Immersiv, verkörpert, responsiv, sozial und transformativ) sich für Experience Design dadurch auftun. Das Buch besticht auch mit reichlich Beispielen von erfolgreichen Projekten aus der Experience Economy. Da ist wirklich für jeden was dabei.

Was nehme ich aus diesem Buch mit?

Besonders spannend finde ich tatsächlich den Übergang, oder vielleicht sogar die Rückkehr, zu einem Publikum, dass nicht Still auf den Plätzen sitzt, sondern mehr oder weniger aktiv an der Geschichte beteiligt ist. Das bedeutet ein umdenken darin, wie wir Geschichten gestalten. Der Plot braucht genug “Lücken”, damit ich mich selbst einfügen kann, die Welt und Charaktere müssen stark genug sein, dass ich mich einfügen will. Ich freue mich darauf die Entwicklung hier weiter zu begleiten.

 

Jane Alison, Meander, Spiral, Explode (2019)

Über Jahrhunderte haben sich unsere Erzählungen auf Wellen (Heldenreise und 3 Akt Struktur) eingeschossen. Doch im Experience Design sind die Geschichten (Welten) selten wirklich linear. Erfahrung braucht Raum zum Entdecken. Jane Alison bietet in ihrem Buch 4 weitere Formen an, mit denen es sich wunderbar experimentieren lässt. Auch wenn ich selbst viele der Bücher nicht kannte, die sie hier bespricht, hat das Buch meine Sicht auf Storytelling nachhaltig verändert.

Was nehme ich mit aus diesem Buch?

Es gibt so viele schöne und experimentelle Formate neben der Heldenreise, die es wert sind ausprobiert zu werden. Ihr habt ein großes Thema zu erzählen? Probiert es doch mal mit Spiralnarrativen. Ein Thementag? Wie wäre es mit einer Explosion? Ihr wollt eure Gedanken ausführlich darlegen? Das darf auch schon mal vor sich hin Mäandern. Ich kann nur sagen, dass ich selbst viel Freude dabei habe, all die Impulse umzusetzen, die Jane Alison liefert.

 

Joe Lazerino / Johannes Robier, Magic Moments — How to intentionally Engineer Transformative Experiences (2025)

Johannes Robier hat sich als Veranstalter des UX World Congress in Graz in der Szene einen Namen für außergewöhnliche Business Veranstaltungen gemacht. Gemeinsam mit Disney Imagineer Joe Lazerino bietet er in diesem Buch ein praxisorientiertes Framework, das besonders auch bei Veranstaltungen im Unternehmensbereich helfen kann. Von Praktikern, für Praktiker.

Was nehme ich aus diesem Buch mit?

Erlebnisse lassen sich nicht erzwingen. Als Experience Designern können wir durch gut durchdachtes Design nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es funktioniert. Das Framework von Lazerino / Robier bietet dabei verschiedene Ebenen und Blickwinkel, die in gutes Design auf jeden Fall berücksichtigen sollte. Das hilft in jeder Phase des Designs dabei das wichtigste nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Nick-Shakelton Jones, 5Di Toolkit

Zum Abschluss kommen wir natürlich doch wieder zurück zum Learning Experience Design. Nick Shakelton-Jones hat hier mit dem 5Di Toolkit schon vor Jahren ein praktikables Framework für L&D vorgelegt. Hängen geblieben ist bei mir das Beispiel, wie er mit einfachsten Mitteln eine „Learning Experience“ zum Thema Ungleichbehandlung geschaffen hat. Das zeigt, das gutes Experience Design nicht mal unbedingt Technologie braucht. Und das verrückte ist, dass man sich das ganze kostenlos herunterladen und ausprobieren kann.

Was nehme ich aus diesem Buch mit?

Nick-Shakelton Jones ist nicht nur ein Meister darin Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch mit einfachsten Mitteln kraftvolle Lernerfahrungen zu schaffen. Hängengeblieben ist das Beispiel, wo er zwei Gruppen gebildet hat und diese einfach unterschiedlich behandelt wurden als Einstieg in einen Workshop zum Thema Diskriminierung / DEI.

 

+1: Priya Parker, The Art of Gathering

Ich freue mich auf „The Art of Gathering“, weil es eine scheinbar banale Alltagspraxis – das Zusammenkommen von Menschen – mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die man ihr selten entgegenbringt. Priya Parker zeigt überzeugend, dass schlechte Meetings, lahme Dinnerpartys und folgenlose Konferenzen kein Zufall sind, sondern das direkte Ergebnis schlechtem Design. Wer es gelesen hat, sieht Einladungen, Tagesordnungen und Abendessen mit anderen Augen, und das möchte ich in Zukunft auch tun.

 

Das waren erst einmal meine Buch-Tipps rund um Experience Design und Storytelling. Joe Pine läutet übrigens im April 2026 auf der London Experience Week bereits den nächsten Shift ein: von Experience hin zur Transformation. Ich bin mehr als gespannt auf die nächste Dekade.

Damit gebe ich ab an meine wunderbare Kollegin Teresa, die sicher einige Klassiker in ihrer Liste hat.

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