Als ich Ende November beim HPI im Badezimmer stand, um mich auf meine Dreharbeiten vorzubereiten, sah ich im Spiegel nicht Jennifer sondern Walter. Vielleicht kennt der ein oder andere hier noch das Wimmelbild „Wo ist Walter“, in der englischsprachigen Welt bekannt als „Where is Waldo?“. Mit meinem rot gestreiften Top hatte ich plötzlich einen Gedanken: Warum nicht den Jahresrückblick auf dieses berühmte Beispiel aufsetzen und meine Lernabenteuer in einem einzigen Bild zeigen.
Kommt mit mir auf einen Rückblick auf das Jahr 2025, das ein echtes Lernabenteuer war.
Da ich nicht wirklich gut illustrieren kann, habe ich mir dafür Hilfe geholt. Die großartige Sandra Franck hat das Wimmelbild umgesetzt.
Im Frühjahr war es bei mir etwas ruhiger als gewohnt. Man hatte wirklich das Gefühl, die deutsche Wirtschaft hält vor der Bundestagswahl den Atem an. Endlich mal Zeit, etwas Neues zu entwickeln, dachte ich mir. Aus diesem etwas Neuen wurde das KI-Kochstudio. Das KI-Kochstudio vermittelt KI-Grundlagen wie z. B. Prompting im Rahmen einer bekannten Metapher, der des Kochrezepts. Online habe ich es mittlerweile in die meisten meiner Kurse eingebaut, und die Teilnehmenden schreiben fleißig ihre eigenen Lernspielrezepte. In Zürich durfte ich im Mai vor Ort mit dem Kochstudio zu Gast sein. Gerade bin ich dabei, aus dem Konzept einen Chatbot mit dem Namen „Le Chef“ zu bauen. Wer mehr darüber erfahren will, findet im Blog weitere Informationen.
Mein privates Highlight 2025 war mein erster Tanz um die Mittsommerstange in Schweden. Ich hatte das Privileg und Vergnügen, auf der Farm einer schwedischen Freundin ein original schwedisches Mittsommer zu feiern. Inklusive mehrere Stunden Blumen und anderes Grünzeug sammeln, um Blumenkronen zu erstellen und die Mittsommerstange zu bestücken. Wer meine wilde, wunderbare Blumenkrone begutachten will, findet sie hier. Mit gutem Essen und einigem an Schnaps begehen die Schweden den längsten Tag des Jahres. Für das Buffet habe ich als echte Baden-Württembergerin übrigens Linsen mit Spätzle beigesteuert, aber als echte Freiburgerin mit Räuchertofu statt Speck. (Shitstorm incoming in drei, zwei, eins…)
Station 3 führt uns zurück auf das Fringe Festival in Edinburgh, aber im Gegensatz zum Jahr davor dieses Mal bei echtem Kaiserwetter. Angenehme 24 Grad und Sonnenschein machen dann doch beim Zwischen-den-Theater-Stücken-hin-und-her-Laufen mehr Spaß als der Regen, für den Schottland sonst eher zu haben ist. Auf dem Festival habe ich mir angeschaut, wie die Kunst- und Kulturbranche mit dem Thema KI umgeht. Manche versuchen bereits erste Projekte im interaktiven Theater damit zu machen, manche schreiben ihre Stücke aber eher über KI. Oft vor allem in dystopischen Szenarien. Wer mehr darüber lesen will, findet hier den Blogartikel.
Ich glaube, ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass das College of Extraordinary Experience mein Leben verändert hat. Wie genau und in wie vielen Ebenen, kann ich bis jetzt noch gar nicht absehen. Privat hat es mich als Mensch in einer Art und Weise in 5 Tagen wachsen lassen, die ich gar nicht für möglich gehalten habe, beruflich hat es mir klargemacht, dass die Experience-Branche der Bereich ist, worauf ich meinen Fokus in Zukunft mehr legen will: Learning Experience Design. Wer mehr über das College und das Design des Colleges erfahren will, findet hier den Blogartikel dazu.
Wie geht es 2026 hier weiter? Ich mache selbst noch mal zwei Ausbildungen (Impact Experience Design und mit EMPAMOS spielend motivieren), worüber ich sicher berichten werde, und arbeite gerade an meiner ersten Ausstellung, einem ersten Retreat-Design für das New Learning Lab (wenn ihr XMAS25 dazu schreibt, kriegt ihr übrigens einige Prozente Rabatt auf die Mitgliedschaft) und ein paar geheimen Projekten, über die ich hoffentlich im Laufe des Jahres dann mehr sagen kann. Ich freue mich, unfassbar tiefer in dieses Thema einzusteigen. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Lernabenteuer und mein Lernthema für 2026.
Am Ende finden wir uns da, wo unsere Geschichte heute begonnen hat: Im Studio des Hasso Plattner Instituts bei den Aufnahmen für meinen neuen openHPI-Kurs „Digitale Gerechtigkeit“. KI, Algorithmen und ihre Verzerrungen ist ein Thema, das mich im Jahr 2025 durchgehend begleitet hat und das ich in all meinen Workshops mit drin habe. Nur wer weiß, wie die Technik funktioniert, kann in einer digitalen Gesellschaft und Demokratie gut mitentscheiden. Es macht mir Sorgen, wie wenig das Thema bisher Beachtung findet, vor allem weil in den USA hier im Zuge des Bondi Beach-Attentats die ersten komplett synthetisch erzeugten „alternativen Fakten“ (Lügenmärchen) entstanden sind, in denen statt des Helden Ahmed ein Edward Crabtree von Grok als Held gekürt wurde. Ich werde auch 2026 ein Auge auf das Thema haben, gemeinsam mit den Jugendlichen, die am 15. Januar mit mir in 3 Wochen zum Thema „Digitale Gerechtigkeit„ starten.
Nicht alles in diesem Jahr war so einfach oder „highlightverdächtig“. Im April war ich zum ersten Mal seit meinem 18. Lebensjahr wieder im Krankenhaus (mehr dazu hier). Die Monate danach waren hart. Wie man am Wimmelbild schon erahnen kann, war ich trotzdem viel unterwegs. Und da mein Gesundheitszustand erst in den letzten Monaten des Jahres wirklich wieder aufwärts ging, kam ich durchaus öfters an meine Grenzen. Dieses Jahr und auch das davor war eine Lektion in Geduld. Und die meisten wissen mittlerweile, dass Geduld nicht unbedingt meine Stärke ist.
Manchmal bleibt einem aber nichts anderes übrig, als sich auszuruhen. Deshalb wünsche ich euch allen vor allem eins zum Ende des Jahres: mindestens ein wenig Zeit, um sich mit einem Heißgetränk (und in meinem Fall 1-10 guten Büchern) in einen Sessel zu setzen und fünfe gerade sein zu lassen.
Wie so viele Geschichten lässt auch diese natürlich viele Höhen und Tiefen aus. Die vielen Begegnungen, die mich durch das Jahr getragen haben, das Netzwerk, das in dunklen Zeiten unterstützt und gestützt hat.
Bleibt mir nur noch, allen frohe Weihnachten zu wünschen. Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr wieder beim ein oder anderen Lernabenteuer.
Du möchtest lernen, wie du Lernerlebnisse wie dieses gestaltest?
In meinen Workshops arbeiten wir mit konkreten Tools und Methoden, um aus abstrakten Möglichkeiten greifbare Handlungsschritte zu entwickeln. Lass uns gemeinsam an der Zukunft des Lernens arbeiten.
